Der alte Dom zu Mainz Der alte Dom zu Mainz
1. Mai 1828

St. Johannis wird evangelisch

Umgestaltung als einschiffiger, protestantischer Kirchenraum mit (Orgel-) Emporen im Westchor und Langhaus. Seitenschiffe abgetrennt und Nutzung als Geschäfte. Von 1830 bis zur Fertigstellung der Christuskirche 1905 einzige evangelische Kirche in Mainz.

1793 wurde die Johanniskirche säkularisiert und diente 30 Jahre lang wohl als Stroh- und Heulager, zunächst den Franzosen, anschließend dem Deutschen Bund. 1816 lässt sich die Nutzung eine der östlichen Seitenanbauten als Eisenwarenhandlung nachweisen.

Am 1. Mai 1828 schließlich erhielt die unierte evangelische Gemeinde Mainz das Gebäude von der Bundesfestung im Tausch gegen die Welschnonnenkirche, die der evangelischen Gemeinde zu klein geworden war.

Nach einer zweijährigen Umbauphase konnte die Kirche als idealer evangelischer Kirchenraum wieder in Nutzung genommen werden. Als einschiffiger Sakralraum sollte er ganz auf die Verkündigung des Evangeliums ausgerichtet sein. Dafür wurden die Langhausarkaden zugemauert und die Seitenschiffe baulich abgetrennt, diese konnten so als Geschäfte vermietet werden. Im Mittelschiff zog man an den Seiten Emporen ein, die auf Säulen aus Stuckmarmor ruhten. Unter Einbeziehung des Westbaus-Mittelteils, des spätbarocken Altarhauses, wurde das liturgische Zentrum komplett neu gestaltet: Vor der Orgelempore im spätbarocken Altarhaus platzierte man die Kanzel, den Altar und zuvorderst das Taufbecken. So lagen alle für die nach evangelischem Verständnis zur Verkündigung des Evangeliums vorgesehenen Orte auf der Mittelachse der Kirche.

Im Laufe des Jahrhunderts wurden nochmals Veränderungen notwendig: Bei der Explosion des Pulverturms der Zitadelle 1857 kam es auch in St. Johannis – vor allem auf der Südseite – zu Zerstörungen im Bereich des Obergadens, welcher anschließend wieder aufgemauert werden musste. 1884 wurde durch Versetzung der Kanzel an den nordöstlichen Pfeiler zum Mittelschiff die Einheit von Kanzel und Altar aufgegeben, um vor der Orgelempore und im Ostchor einige Hundert Sitzplätze für die stetig weiter anwachsende Zahl der Gottesdienstbesucher zu schaffen.