Der alte Dom zu Mainz Der alte Dom zu Mainz
seit 1552

Doppelnutzung der Kirche

Durch die Zerstörung der Viktorkirche in Weisenau 1552 wird das dort ansässige Viktorstift heimatlos. Der Erzbischof wies darauf das Stiftskapitel von St. Viktor an, seinen Chordienst von nun an in St. Johannis zu halten.

Die Kirche war durch diese Maßnahme für die nächsten Jahrhunderte quasi geteilt. Der Altarraum im Westen blieb weiter in der Hand des Stiftes St. Johannis, der Altar im Osten gehörte zu St. Viktor. Eine Klärung des rechtlichen Verhältnisses der beiden Stifte zueinander erfolgte allerdings nie.

Darum kam es in der Folgezeit regelmäßig bei Finanzierungsfragen zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Stiften. Die reicheren Viktorianer weigerten sich, den von St. Johannis geforderten Anteil an den Reparatur- und Unterhaltungsmaßnahmen zu übernehmen. Kam es ausnahmsweise – oft unter Anrufung der Bischöfe – doch zu einer Einigung, so wurden trotzdem nur kleinflächige Ausbesserungen, beispielsweise am Dach vorgenommen, während die alte Bausubstanz weitgehend erhalten blieb. Ein für die heutigen Forschungen durchaus glücklicher Umstand, denn so wurde die Kirche in ihrem Grundbestand abermals nicht verändert.