Der alte Dom zu Mainz Der alte Dom zu Mainz
1906/1907

Die Kirche als Gesamtkunstwerk

Erneute Umgestaltung mit Kanzelaltar durch Friedrich Pützer nach dem Wiesbadener Programm im Jugendstil.

Von 1906 bis 1907 baute der renommierte Darmstädter Architekt und Denkmalpfleger Friedrich Pützer St. Johannis im Rahmen des Wiesbadener Programms im Jugendstil um. Gemäß dieser Programmschrift sollte das protestantische Verständnis vom Priestertum aller Gläubigen auch gerade durch die Innenkonzeption eines Gotteshauses deutlich werden.

Die Seitenschiffe im Bereich des Westbaus bezog man in den einschiffigen Kirchenraum mit ein, um so wenigstens im Ansatz eine Art Zentralbau zu schaffen. Dabei wurden die Arkaden im Bereich des Westbaus auf den romanischen Bestand zurückgebaut. Die Seitenschiffe entlang des Langhauses blieben weiterhin abgetrennt. Sie wurden allerdings nicht mehr extern vermietet, sondern als Gemeindehaus und Küsterwohnung genutzt.

Das Mittelschiff gestaltete man so um, dass in ihm die Einheit der Gemeinde symbolisch verdeutlicht werden konnte. Dazu gehörte unter anderem, dass man die liturgischen Hauptstücke Orgel, Kanzel und Altar wieder in die Zentralachse zurückverlegte. Die Orgelempore wurde durch eine Sängerbühne ergänzt, die Einheit von Wort und Sakrament durch den Bau eines steinernen Kanzelaltars hervorgehoben. Die gesamte künstlerische Gestaltung von den Raumausmalungen bis hin zu den Türknäufen erfolgte “aus einem Guss“ im Jugendstil.